Tasse Kafffe mit Schlagobers

Im Gespräch mit: Café Hummel

Über das Wiener Traditionskaffeehaus Café Hummel

Tradition verpflichtet

Wien: Diese malerische Stadt an der Donau ist schon immer ein Ort, der Dichter und Künstler auf besondere Weise inspiriert hat. Ihr einzigartiger Charme und die zurückhaltende Höflichkeit ihrer Bewohner sind legendär. Doch noch eine weitere Besonderheit unterscheidet Wien von vielen anderen europäischen Hauptstädten: Hier reiht sich ein Kaffeehaus an das nächste. Das wohl größte und eines der ältesten unter ihnen: das Café Hummel. Ein bisschen klingt die Geschichte dieses Wiener Traditions-Kaffeehauses wie ein modernes Märchen. 1935 betrat Karl Hummel das damalige Café Parzival in der Josefstädter Straße und wusste sofort: Dieses Haus wird viele Jahre später Geschichte schreiben!

Heute wird das Café Hummel im 8. Bezirk bereits in der 3. Generation familiengeführt und gehört zu den bekanntesten Wiener Kaffeehäusern überhaupt. Quisine traf nun auf Christina Hummel, um mit ihr über das Café, die Tradition dahinter und guten Kaffee zu sprechen.

Das Café Hummel gilt als Urgestein unter den Wiener Kaffeehäusern und Sie bewirtschaften das Café mittlerweile in der 3. Generation. War es von Anfang an klar, dass Sie das Café Ihrer Eltern eines Tages übernehmen würden und warum?

Da ich in dem Caféhaus aufgewachsen bin – und unsere Mitarbeiter Teil meiner Familie waren und immer noch sind – war es für mich schon von Anfang an klar, dass ich diese Institution mit der großen Hummel-Familie weiterführen möchte.

Auf der Hummel-Homepage ist zu lesen, dass Sie es sich zur Aufgabe gemacht haben, das Café zu einem Treffpunkt der „Wiener Lebensart“ zu etablieren. Was genau versteht man unter der typischen Wiener Lebensart? Und wie setzten Sie das um?

Das ist die Philosophie des Slow-Life-Trends – so würde man das heute bezeichnen. Dabei geht es um die Fokussierung auf ein entschleunigtes und bewusstes Konsumieren und Leben. Durch die Rückbesinnung auf alte Traditionen haben Genuss und Authentizität – meiner Meinung nach – im Kaffeehaus ihren Ursprung. Somit ist das Kaffeehaus im Trendsetting seiner Zeit schon weit voraus gewesen. Im Café Hummel bieten wir eben Raum und Zeit für diesen Genuss und auch die richtigen Mittel dazu an. Das sind neben vielen ausländischen Zeitungen auch W-LAN und natürlich zahlreiche kulinarische Schmankerl sowie Speisen, die schon damals beliebt waren und es noch heute sind. Und zuletzt das wohl Wichtigste: unsere gelernten Fachkräfte und Ober, welche die Wünsche unserer Stammgäste bereits vor dem Bestellen erkennen und einen Aufenthalt im Café mit Charme und Schmäh würzen.


Es ist eigentlich eine Art demokratischer, jedem für eine billige Schale Kaffee zugänglicher Klub, wo jeder Gast für diesen kleinen Obolus stundenlang sitzen, diskutieren, schreiben, Karten spielen, seine Post empfangen und vor allem eine unbegrenzte Zahl von Zeitungen und Zeitschriften konsumieren kann. – Stefan Zweig: Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers


In Wien gibt es insgesamt mehr als 1100 Kaffeehäuser. Seit 2011 gehören diese sogar zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Was unterscheidet das Café Hummel von anderen Wiener Kaffeehäusern?

Ich darf es einmal so sagen: Wir sind ein wenig mutiger mit unserem Angebot und richten uns auch nach den heutigen Trends. So haben wir zum Beispiel vegane Speisen und Sojamilch-Getränke auf unserer Karte. Außerdem haben wir ein ALL-DAY-Konzept. Soll heißen: Wir bieten sowohl zum Frühstück als auch zum Mittag und zum Abend eine breite Palette an Speisen und Getränken an, die eben zu jeder Tageszeit passen. So ist vom Kaffee über den heimischen Whiskey bis hin zu einem gut ausgewählten Weinsortiment für jeden etwas dabei.

2012 wurde das Café Hummel renoviert. Was hat sich alles geändert?

Ziel war es, das „alte“ Hummel wiederzuerkennen, aber mit einigen neuen Highlights zu versehen. So haben wir Wert darauf gelegt, echte und hochwertige Materialien wie eben Echtholz, Leder usw. zu verwenden. Zudem haben wir beim Eingangs- und Bar-Bereich eine Kommunikationsebene geschaffen und unser Extrazimmer in eine Bibliothek verwandelt – heute übrigens eines unserer beliebtesten Besprechungszimmer für Geschäftstreibende – darauf sind wir sehr stolz.

Kommen wir zum Essen: Was sind denn klassische Kaffeehaus-Spezialitäten, die man in Wien serviert bekommt?

Was nicht auf der Kaffeehauskarte fehlen darf: das klassische Wiener Schnitzerl vom Kalb, Fiaker Gulasch und Zwiebelrostbraten und natürlich auch Kaiserschmarrn. Wenn ess jedoch nur ein Snack sein soll, dann ist es die Schinkenrolle mit Mayonnaise und ganz wichtig das berühmte Ei im Glas – des Wieners Liebling.

Welche davon stehen auch im Café Hummel auf der Speisekarte?

Natürlich alle.

Welche kulinarischen Besonderheiten gibt es bei Ihnen, die man so eben nur im Café Hummel bekommen kann? Was davon gehört zu Ihren ganz persönlichen Favoriten und warum?

Berühmt sind wir vor allem für unser ausgiebiges Frühstücksprogramm: von einem Frühstück für 2 – auf einer Etagere serviert – bis hin zum veganen Frühstück. Die Variante mit Avocado und Lachs bieten wir sogar bis 14 Uhr an. Mein absoluter Favorit ist aber unser Beef Tartare, da wir es mit unserer speziellen Würze und natürlich mit Liebe anrichten.

View this post on Instagram

#goodmorningvienna #lovecoffee #frühstück

A post shared by Cafe Hummel (@cafehummel1080) on

Wien im Allgemeinen und das Café Hummel sind für die besonderen Kaffeespezialitäten bekannt. Wie genau muss ein richtig guter Wiener Kaffee schmecken?

Früher war der typische Wiener Kaffee ein leicht geröstetes Aromagetränk. Heute möchte der Wiener stattdessen einen vollmundigen und starken Kaffee in seiner Tasse haben, mit der perfekten Crema und – wenn es eine Melange sein darf – muss das Verhältnis zwischen Milchschaum, Kaffee und Milchmenge genau abgestimmt sein. Somit ist ein echter Wiener Kaffee vollmundig, kräftig, cremig und auf keinen Fall bitter.
Tisch im Café Hummel reservieren

Veröffentlicht in Stories
Judith Taudien

Judith Taudien

Hin und hergerissen, ob nun Schnitzel, indisch oder doch Sushi ihr Lieblingsessen ist, versucht Judith bei ihrer Arbeit für Quisine nicht ständig an Essen zu denken. Schafft sie es doch mal, träumt sie von einem Dinner mit Nigel Slater oder guckt Katzenvideos im Internet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Name *

222 Views