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Chuan’r – Chinas Street Food Klassiker

Ein Bild von einem Spieß

Manchmal (wirklich nur manchmal) kann die chinesische Sprache so einfach sein: Und zwar immer dann, wenn die oftmals komplexen und manchmal allzu verschachtelten Schriftzeichen als Piktogramme fungieren, also ihre Bedeutung in mehr oder weniger abstrahierter Form direkt abbilden – und genau dies ist bei Chuan’r auch der Fall. Man benötigt nicht viel Fantasie, um in dem Schriftzeichen 串 einen Spieß zu sehen, auf dem zwei Stücke Fleisch stecken – viel anschaulicher kann man das einfache Konzept des populären chinesischen Streetfoods wirklich nicht erklären.

Streetfoodmarkt
Ein Streetfood-Markt in Beijing. Quelle: Flickr.com hbarrisonWángfujing

Streetfood-Romantik par excellence

串: Genau dieses Schriftzeichen leuchtet den Spaziergängern in warmen Sommernächten in Beijing von zahlreichen Neonreklamen entgegen. Es weist auf die Garküchen hin, deren Dampf sowohl durch die kleinsten Gassen als auch über viele Ecken der mehrspurigen Prachtstraßen der chinesischen Hauptstadt zieht. Die meisten dieser Garküchen sind klein, befinden sich oftmals auf rollbaren Untersätzen. Viele verfügen traditionellerweise entweder über einen Kohlegrill oder eine Fritteuse (manchmal auch kombiniert). Hier werden die Spieße, die man in Beijing Chuan’r nennt (mit dem kehlig gerollten „r“ am Ende; im Rest des Landes lässt man dieses weg) zubereitet. Nachdem man bestellt hat, setzt man sich auf kleine Plastikstühle, trinkt je nach Tageszeit ein Bier und unterhält sich mit den anderen Menschen, die sich um die Garküche herum versammelt haben. Denn Chuan’r genießt man nicht allein – das Essen ist eine gesellige Gruppenaktivität. Deswegen kann ein spontaner Besuch bei der lokalen Garküche auch schon einmal bis spät in die Nacht hinein dauern.

Alles kann, manches muss (nicht sein)

Die traditionelle (und bis heute gängigste) Version der Chuan’r Spieße ist das Yang rou chuan’r (羊肉串儿) – gegrilltes Lammfleisch. Mittlerweile aber werden die Spieße auch oftmals mit Rind-, Schweine- oder Hühnerfleisch bestückt. Für Vegetarier gibt es das chinesische Dampfbrot Mantou geröstet an zwei Spießen. Alternativ aber auch grüne Bohnen, Pfefferschoten oder Pilze.

In Regionen, die sich näher am Meer befinden, gibt es außerdem eine ganze Reihe an gegrillten oder frittierten Meeresfrüchten wie zum Beispiel Garnelen, Shrimps oder Tintenfische. Außerdem sind Innereien wie zum Beispiel Hühnerherzen keine Seltenheit. Richtig exotisch wird es aber, wenn man auf einen der Nachtmärkte geht (wie es sie auch in Beijing gibt). Diese sind in der Regel für chinesische und ausländische Touristen gedacht und verkaufen eine zuweilen etwas eigenwillige Vielfalt. Da gibt es Vogelspinnen am Spieß, frittierte Seesterne, Seidenraupen (außen knusprig, innen geleeartig), zähe Tausendfüßler und knusprige Skorpione in kleinen und großen Ausführungen. Auch wenn diese Auswahl mit den gewöhnlichen Chuan’r-Garküchen nur wenig gemein hat, so wird einem hier doch zweifellos ein echtes Geschmacksabenteuer angeboten. Hier kann man (zum Glück) selbst entscheiden kann, wie weit man gehen möchte bzw. wie viele Beine genug sind.

Seepferdchen am Spieß
Mutprobe gefällig? – Quelle: Flickr.com istolethetv

Spaß mit Spießen

Was Chuan’r auszeichnet ist nicht nur die Vielfalt und der würzige Geschmack – es ist vor allem die Geselligkeit, die man damit verbindet. Die Garküchen können wie kleine Oasen in einer immer weiter und immer schneller wachsenden Weltstadt sein. Hier lernt man neue Freunde kennen, kann sich mit alten Bekannten treffen und kommt generell schnell ins Gespräch. Egal ob man sich nun auf Chinesisch, Englisch oder mit Händen und Füßen verständigt. Die Hauptsache ist schließlich einfach, dass man zusammen genießt.

Streetfood-Klassiker Chuan’r
Chuan’r – Das beliebteste Streetfood Chinas Quelle: Flickr.com saechang
Veröffentlicht in Trends

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