Zwei Freundinnen treffen sich zur Fika

Keep calm and have a Fika

Warum die Schweden ständig Kaffee trinken

Vill du fika? Bekommt man in seinem nächsten Schwedenurlaub diese Frage gestellt – und man hört sie sehr oft in dem kleinen skandinavischen Land – wird man nicht etwa höflich, bestimmt und direkt dazu aufgefordert, gemeinsam eine Nacht miteinander zu verbringen, sondern schlicht zu einer kleinen Kaffeepause eingeladen. Fika, wie die schwedische Kaffeepause heißt, ist ein nationales Kulturgut, ein soziales Happening, quasi heilig, deren Einhaltung mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln vehement verteidigt wird – seit mehr als 100 Jahren.

Kaffeetrinken als Happening: Die Fika

Kaffeetrinken ist in Schweden mit einer langen Tradition verbunden. Bereits 1720 soll es in Stockholm die ersten Cafés gegeben haben, in denen man auch Kaffee serviert bekam. Die Fika, wie man sie heute kennt, entstand jedoch vor mehr als 100 Jahren. Seitdem trifft man sich mindestens zwei Mal am Tag, um gemeinsam eine Tasse Kaffee zu trinken. In dieser Zeit kommt der normale Alltag zum Stehen. Der Professor an der Uni unterbricht seine Vorlesung und die Kollegen im Büro legen ebenfalls ihre Arbeit für einige Augenblicke zur Seite. Ganz gleich, wie viel gerade auf dem Schreibtisch liegt, die Teilnahme an der Fika ist in vielen Unternehmen sogar obligatorisch. Denn die Kaffeepause ist in Schweden weit mehr als nur eine kleine Pause von der Arbeit, sondern so etwas wie eine soziale Institution mit hohem gesellschaftlichen Stellenwert. Während der Fika werden Neuigkeiten mit Freunden, Familie oder den Kollegen ausgetauscht, Probleme geklärt und manchmal sogar Verträge geschlossen.

Arbeitskollegen bei der Kaffeepause / Fika
In der Fika spricht man mit Kollegen auch schon mal über Privates. Quelle: Stocksnap.io

1.200 Tassen Kaffee im Jahr

Kräftig und heiß sollte er sein – ein guter Kaffee, manchmal auch mit Milch oder etwas Zucker verfeinert. Wir trinken ihn am Morgen nach dem Aufstehen, die erste (noch müde) Amtshandlung im Büro ist der Gang zur Kaffeemaschine, am Nachmittag, wenn das Tief gnadenlos zuschlägt, könnten wir schon wieder und zwischendurch natürlich auch noch mal. Ohne Kaffee geht gar nichts. Kein Wunder, dass so die Summe von knapp 7 Kilogramm zusammenkommt. So viel Kaffee trinken wir nämlich durchschnittlich im Jahr; das haben zumindest Berechnungen des Deutschen Kaffeeverbandes für das Jahr 2013 ergeben. Damit belegen wir den 7. Platz in der internationalen Kaffee-Konsum-Statistik. Im Vergleich dazu: In Schweden schafft man es auf etwa 3,5 Tassen Kaffee am Tag, was den Nordlichtern den 6. Platz im internationalen Kaffee-Ranking einbringt. Hochgerechnet auf ein ganzes Jahr sind das 1.200 Tassen oder 7,37 Kilogramm. Toppen können das nur die Finnen, die stolze 12 Kilogramm Kaffee im Jahr verdrücken und es somit auch verdient auf den ersten Platz geschafft haben.

Kaffeegenuss als Entschleunigung

Doch im Gegensatz zu Deutschland, wo man den Kaffee oft einsam am Schreibtisch oder aus Pappbechern auf dem Weg von A nach B trinkt, weil hier vieles oft schnell gehen muss, setzt man in Schweden auf Entschleunigung und genießt das schwarze Gold eben gemeinsam in der Fika mit Freunden, Kollegen, Kommilitonen oder dem Chef und das ungefähr eine halbe Stunde pro Kaffeepause. Wer ganz viel Zeit hat, trifft sich mit Freunden in einem der vielen gemütlichen Cafés, die man in Schweden überall findet. Wer hier eine Tasse Kaffee bestellt, darf dann meistens noch einmal gratis nachfüllen.

Pärchen bei der Fika
Zeit zum Abschalten: Die Kaffeepause Quelle: Shutterstock

Von MacBook-Jüngern und Soja-Latte-Schlürfern oder: Der Wandel unserer Kaffeekultur

Die alte Tradition von Kaffee und Kuchen wird hierzulande – wenn überhaupt – meist noch an Sonntagnachmittagen zelebriert und ist ihr angestaubt-spießiges Image nie ganz losgeworden. Erst der Hipster, der den ganzen Tag mit MacBook in stylishen Cafés verbrachte und mit konzentriertem Gesichtsausdruck abwechselnd auf Laptop und Smartphone starrte, hat dem Kaffeetrinken zu einem Revival und cooleren Image verholfen. Statt klassischen Filterkaffee bestellte man aber lieber Latte Macchiato – natürlich mit Sojamilch – und der Kuchen war, sofern man sich denn ein Stück davon erlauben durfte – vegan.

Fikabröd – süß und lecker

Auch in Schweden genießt man seinen Kaffee während der Fika nicht immer pur. Manchmal gehört etwas Süßes einfach dazu. Die Schweden haben für die Fika sogar ihr eigenes Gebäck. Kaffebröd oder Fikabröd nennt es sich. Dahinter verbergen sich traditionelle Gebäck-Klassiker wie die Zimtschnecke, ohne die in Schweden praktisch gar nichts geht und die so etwas wie ein Grundnahrungsmittel in dem nordischen Land ist. Es gibt sie immer und überall und entgegen der üblichen hohen Preise für Lebensmittel, ist die Zimtschnecke vergleichsweise sogar günstig. Ebenfalls beliebt ist das Wienerbröd – ein luftiges Teilchen aus Plunderteig mit einer süßen Füllung aus Pudding, Äpfeln, Kirschen oder anderem Obst. Aber auch Kekse aus Mürbeteig oder Marmorkuchen werden gerne zur Tasse Kaffee gegessen. Zu besonderen Anlässen isst man aber auch Prinsesstårta. Eine Torte, die aus einem luftigen hellen Kuchen, einer Vanillecreme, Himbeerkonfitüre und Sahne besteht und mit einem auffällig grünen Mantel aus Marzipan umhüllt ist.

Zimtschnecken und anderes Fika-Gebäck aus Schweden
Lecker! Die Zimtschnecke gehört zur Fika einfach dazu. Quelle: Shutterstock

Unbedingt probieren: die ebenfalls leuchtend-grünen Punschrollen, die umgangssprachlich Dammsugare (das schwedische Wort für Staubsauger) genannt werden. Diese besondere süße Leckerei besteht aus einer krümeligen und in Punsch getränkten dunklen Kuchenfüllung und einem Mantel aus Marzipan. Warum sie im Volksmund allerdings Staubsauger heißen, ist nicht ganz klar. Wahrscheinlich aber, weil sie einfach zu köstlich sind und man sie beim Essen so schnell einsaugt wie ein Staubsauger.

Typisch skandinavisch – auch in Deutschland

Wer auch bei uns eine typisch schwedische Fika zelebrieren möchte, muss nicht sofort in das Land im hohen Norden fahren. Auch bei uns gibt es einige Cafés, in denen man die typisch schwedische Kaffeepause angemessen zelebrieren kann. Typisch schwedisches Fika-Gebäck wie Zimtschnecken gibt es hier natürlich auch.

1

Okay Café - Scandi-Chic und leckere Zimtschnecken

Inneneinrichtung Okay Café
Schlicht, gemütlich und der perfekte Ort für eine Fika: das Okay Café im Neuköllner Reuterkiez. Quelle: Okay Café

Schlicht, mit klaren Linien, hellen Farben und vielen Naturtönen – kurzum: im typischen Scandi-Look – präsentiert sich das Okay Café im Neuköllner Reuterkiez. In einer ruhigen Seitenstraße zur Pannierstraße gelegen, ist dieses charmante Café Anlaufstelle für diejenigen, die in der Hauptstadt echtes schwedisches Gebäck genießen möchten. Besitzerin Marie-Louise Crona ist in Berlins Foodszene nicht unbekannt. Als es die Stockholmerin nach Berlin zog, machte sie das Kochen zum Beruf. Und so verkaufte sie zuerst selbst gebackene Zimtschnecken auf Wochenmärkten, startete dann ein Pop-Up-Dinner und eröffnete mit dem Okay schließlich ihr eigenes Café. Hier kann man neben ihren berühmten und herrlich duftenden Zimtschnecken auch leckeres Frühstück mit Bowls, Panckakes, Toasts und Omlettes genießen. Ein Tipp: Unbedingt mal vorbeikommen, wenn der Semla Sunday gefeiert wird. Für das Hefegebäck mit Marzipan-Sahnefüllung, das in Schweden traditionell zur Faschingszeit gegessen wird, muss man im Okay Café dann schon mal eine Wartezeit in Kauf nehmen. Aber es lohnt sich.

Pflügerstraße 68, 12047 Berlin, Di – Fr: 09 – 18 Uhr, Sa – So: 10 – 19 Uhr

2

Café Stockholm - Ein schwedisches Wohnzimmer in Berlin

Cafe Stockholm Berlin Außenansicht
Der perfekte Ort für die tägliche Fika: das Café Stockholm in Berlin. Quelle: Café Stockholm

Im Herzen vom Prenzlauer Berg kann man sich im Café Stockholm dem Norden ganz nahe fühlen. Rustikale Holzmöbel sorgen hier seit Mai 2014 für ein gemütliches Ambiente, Zimtschnecken und die anderen selbst gebackene Kuchen für das authentische kulinarische Erlebnis. Der fair trade Kaffee aus biologischem Anbau rundet die Fika im Jenseits von Schweden, wie das Café unter eingefleischten Schweden-Fans auch genannt, wird, ab.

Kollwitzstraße 74, 10453 Berlin, Di – So: 10 – 18 Uhr

3

Karlsons - Bullerbü-Feeling mitten in Hamburg

Karlsons Café für schwedische Fika
Im Karlsons ist nicht nur die Einrichtung weiß-rot. Auch die Kuchen kommen hier in den typisch skandinavischen Farben auf den Tisch. Quelle: Karlsons

Ein Traum in Rot und Weiß ist das Karlsons im Alten Steinweg. Die hübsche Café in der Neustadt erinnert mit seinen weißen Holzmöbeln und den rot gestrichenen Wänden ein bisschen an die Bullerbü-Idylle von in Astrid Lindgren. Und auch kulinarisch bekommt man hier alles geboten, für das Schweden berühmt ist: Blaubeerpfannkuchen, Köttbullar mit Preiselbeeren und Kartoffelpüree oder eben leckere selbst gebackene Kuchen für die Fika.

Alter Steinweg 10, 20459 Hamburg, Mo – Fr: 09 – 16 Uhr, Sa – So: 10 – 17 Uhr

4

Frau Larsson - Zimtschnecken nach altem Familienrezept

Zimtschnecken sind ein Muss bei der Fika
Darf hier bei keiner Fika fehlen: Zimtschnecken! Quelle: Frau Larsson

Wer sich in Hamburg nach einem hyggeligen Ort sehnt, wird im Frau Larsson fündig. Das liebevoll gestaltete Café in der Peter-Marquard-Straße ist vor allem für seine Frühstücks-Kreationen bekannt. Dann serviert Annika Roschitz ihren Gästen unter anderem deftige Pfannkuchen mit Speck oder mit Blaubeer- und Himbeermarmelade für alle, die es morgens lieber süß mögen. Natürlich kann man hier noch andere typisch schwedische Gerichte, wie die berühmten Köttbullar, probieren. Zur Fika kann man ins Frau Larsson natürlich auch vorbeikommen. Dann gibt’s nach altem Familienrezept zubereitete, noch warme Zimtschnecken frisch aus dem Ofen. Mmhhh.

Peter-Marquard-Straße 13, 22303 Hamburg, Mo – So: 10 – 18 Uhr

5

Smørgås Nordisk Restaurant - Frankfurts nordischstes Juwel

Skandinavisches Restaurant in Frankfurt
Elch-Burger oder Köttbullar? Auch echte Trolle wissen die skandinavische Küche vom Frankfurter Smørgås Restaurant zu schätzen. Quelle: Smørgås Nordisk Restaurant

Zugegeben, das Smørgås Nordisk Restaurant in Frankfurt am Main ist in erster Linie zwar kein Café, in dem man eine typische Fika genießen kann, sondern ein Restaurant. Fans der nordischen Küche sollten sich das Lokal in der Burgstraße aber trotzdem merken. Hier bekommt man viele herzhafte Leckereien aus dem hohen Norden serviert, wie etwa den Älg-Burger mit echtem Elchfleisch, die berühmten Köttbullar mit Preiselbeerdip und Kartoffelpüree oder Flußkrebse in Dillsud mit Cocktailsauce und Knoblauchbrot. Und wer anschließend noch ein Dessert braucht, für den gibt es in dem Restaurant natürlich auch hausgemachte Kuchen, Waffeln mit Beerensauce, Lakritz-Eis (ein echter Geheimtipp!) und natürlich: Kaffee! Kurz gesagt: einfach alles, was man auch für eine Fika braucht.

Burgstr. 82, 60389 Frankfurt am Main, Di – Sa: 17:30 – 23:30 Uhr, So: 17:00 – 22:30 Uhr

Veröffentlicht in Stories
Judith Taudien

Judith Taudien

Hin und hergerissen, ob nun Schnitzel, indisch oder doch Sushi ihr Lieblingsessen ist, versucht Judith bei ihrer Arbeit für Quisine nicht ständig an Essen zu denken. Schafft sie es doch mal, träumt sie von einem Dinner mit Nigel Slater oder guckt Katzenvideos im Internet.

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